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Einst lebte im
Mittelmeer ein kleiner Hai, der sich nie prügeln
wollte. Immer war er höflich und zuvorkommend, nie
haute er seinen Widersachen auf die Nase oder trat
ihnen vors Knie. Dazu muß man wissen, daß Haie das
ansonsten gerne tun. Sie treffen sich zu kleinen
Scharmützeln mit Artgenossen und Delphinen, so wie
andere Leute zu Tee oder zum Kinobesuch. Das alles
sind jedoch harmlose Balgereien, niemals würden Haie
jemanden wirklich verletzen. Nun gab es aber, wie
gesagt, einen kleinen Grauhai, der sich nie prügeln
wollte. Selbstverständlich kriegte er selber somit
immer die größte Haue, denn er wehrte sich ja nicht.
Die anderen Meersbewohner wußten dies zu schätzen
und piekten ihm ins Auge wann immer sie ihn sahen.
Oder sie boxten ihm vors Nasenbein, oder traten ihm
in den Hintern. So schwamm der kleine Hai durchs
Meer und immer wenn er Freunden begegnete hörte er
sie schon von weitem rufen: „ Ach, wie schön, die
alte Knalltüte“ und `BUMS` hatte er wieder eine
hängen. Natürlich ging diese Tatsache dem Grauhai
mehr und mehr auf die Nerven. Er hatte halt auch
andere Sachen zu tun als sich ständig verhauen zu
lassen und es hielt ihn häufig von der Arbeit ab.
Auch beim Fussball störte es ungemein wenn er aufs
Tor zulief und der gegenerische Verteidiger ihn
einfach verprügelte bevor er den Kugelfisch ins Netz
schiessen konnte. Das drückte seine Trefferquote
immens. Aber, er wollte sich ja nicht wehren. Selber
schuld.
Eines schönen Tages
ruhte sich der kleine Hai auf seiner
Lieblingssandbank aus und war wie immer tieftraurig
darüber das ihn immer alle vermöbelten. Plötzlich
lief von ziemlich weit her ein komisches
langhaariges Wesen auf ihn zu und brüllte
fürchterlich. Der Hai war sehr nervös, denn er
erwartete heftige Prügel. Stattdessen aber, als er
sich gerade bückte und „nein, aua, bitte nicht schon
wieder hauen“ sagte, da streichelte ihm das blonde
Fräulein den Kopf. Das sah schon etwas komisch aus,
vor allem von weitem. Der Hai atmete auf. „Mh...,
endlich jemand der nett zu mir ist“, sprach er. Und
das Fräulein setzte sich neben ihn und sah aufs Meer
hinaus. „Ich habe von hier aus gesehen wie deine
Freunde dich immer verprügeln. Warum wehrst du dich
nicht.“ „Ach“, seufzte der Hai, „ich mag einfach
nicht. Ich bin lieber alleine und will meine Ruhe,
das ewige Rumgerenne und der Körperkontakt...
Iiiiiieeeugittigitt!! Ich kann das nicht ausstehen,
vor allem das alle mich immer anfassen, wie auch
immer. Bah!“ Das blonde, niedliche Fräulein
überlegte kurz und sagte dann erfreut: „Ich habe
eine Idee! Ich weiß wie du die anderen Haie in die
Flucht schlagen kannst, denn zufällig bin ich für
mein loses Mundwerk bekannt und ich würde dich
ausnahmsweise umsonst in Beschimpfung und obszönen
Wörtern unterrichten.“ Der Hai fand, das dies eine
schöne Idee und ein nettes Angebot war. So schleifte
die Frau den kleinen Hai mit zu sich nach Hause, in
ein geweißtes Haus mit Blick aufs Meer und lehrte
den wißbegierigen Fisch allerlei Schweinkram und
Unverschämtheiten.
Nach einer Woche bat
die schimpflehrerin ihren Schüler zu einer ersten
Klassenarbeit. Der kleine Hai war sehr aufgeregt und
als die erste Aufgabe anstand, er sollte eine
Gemeinheit erwidern, machte er sich beinahe in die
karierten Hosen die ihm seine Mutter einst genäht
hatte. „Lalala.... mhmhmh...“, summte er vor sich
hin um die Geister der Nervosität und des in die
Hose Pissens zu vertreiben. Plötzlich schrie ihn
dann das Fluchfräulein unvermittelt an: „Du alter
Riesenarschhai!!“ Der kleine Hai war so überrascht
von der Gewalt dieser Beschimpfung, daß er ganz
schnell ein bißchen weinte. Aber dann nahm er seinen
ganzen Mut und seine Schlagfertigkeit zusammen und
sagte leise: „...Äh... Selber... du...“ Seine
Lehrerin seufzte. „Naja, fürs Erste gar nicht so
schlecht. Aber wir müssen noch viel üben bevor wir
deine Fähigkeiten in der gemeinen Welt anwenden
können.“ Der kleine Hai versprach jetzt noch besser
aufzupassen und wurde einer der fleißigsten Haie des
Universums.
Und so saßen eine
liebliche, große Frau mit langen blonden Haaren und
ein zierlicher kleiner Grauhai nach einigen
arbeitsintensiven Wochen auf der Veranda vor ihrem
Strandhaus und beschimpften sich aufs allerübelste.
Manche der Touristen die zufällig vorbeikamen,
wurden davon so überrumpelt, daß sie Heulkrämpfe
bekamen oder sogar ohnmächtig wurden. Und da wußte
die Frau, daß ihr Haischüler bereit war nach Hause
zurückzukehren. „Verfick dich zum Schwanz du alte
Arschvotze!!!!“ schrie der kleine Hai ihr ins
Gesicht so laut er konnte. Und sie lächelte und sah,
ihr Werk war gut.
Zum Abschied tauschten
die blonde Frau und der große Fisch noch schnell
Telefonnummern aus und nachdem er sich artig bedankt
hatte, mit Küßchen und Umarmung, rannte er den
Strand herunter, an verdutzten Spaniern und dicken
Deutschen vorbei, sprang grazil wenige Meter vor der
Brandung ab und tauchte ein ins warme Mittelmeer.
Schon nach einigen,
wenigen Metern kamen zwei von seinen Freunden und
lachten als sie ihn sahen. „Ha, da isser ja. So,
jetzt gibt’s wieder was auf die Nuß!!! Haha!! Wo
warst du denn so lange??“. Und der kleine Hai
schaute sie nur ruhig an und sagte: „Ich? ich war
bei eurer Mutter.“ „Bei unserer Mutter?“ sprachen da
vewundert die beiden Haie. „Unsere Mutter ist doch
tot.“ „Ach so!“ erwiderte der kleine Hai.
„Wahrscheinlich hat sie sich deshalb so wenig
bewegt.“ Daraufhin fiel der eine der beiden Brüder
in Ohnmacht und der andere lief heulend weg. Unser
kleiner Friedenshai aber schwomm hoch erhobenen
Hauptes weiter gen seiner Heimatmuschel. Plötzlich
schoß von unten ein Delphin heran und wollte ihm
seine Flosse ins Gesicht schlagen, aber der Hai
drehte sich zur Seite und schrie: „Verpiss dich! Du
Scheiss Sohn einer dreckigen Hure!!!“ Der Delphin
taumelte. „Räudige Arschkrampenvotze!!!“ Das gab dem
intelligenten, aber zartbesaiteten Delphin den Rest
und er schwamm laut schreiend hinfort.
Der kleine Hai war
jetzt in seinem Riff angekommen und sah das vor
seiner Höhle ein Fussballspiel im Gange war. Ganz
souverän enterte er das Spielfeld, schnappte sich
den Kugelfisch und raunte jeden Angreifer der ihn
auf dem Weg zum Tor in die Quere kam ein leises
„Votze!!“ zu, womit es ihm gelang auf sehr elegante
Art und Weise das Tor des Monats zu erzielen.
Selbstverständlich gaben die anderen Riffbewohner
danach langsam auf ihn verprügeln zu wollen.
Eigentlich hörten sie sogar fast ganz mit der
Prügelei auf und versuchten sich selbst am
Beschimpfen, aber der unumstrittene Herrscher über
Schimpf und Schande blieb immer der kleine graue
Hai.
Endlich konnte er sein
leben unter Wasser genießen ohne ständig vermöbelt
zu werden und alle paar Wochen besuchte er seine
Freundin oben auf der Insel. Dann beschimpften sie
sich bis die Sonne unterging so fürchterlich, das
selbst der kleine Grauhai später, im Bett, noch
manchmal errötete weil er so schlimme Sachen gesagt
hatte. Aber dann lachte er und war verfickt scheisse
stolz darauf, daß er sich nie mit anderen prügelte.
Und wenn er im Zweifelsfall noch nicht gestorben
ist, dann behauptet er bestimmt noch immer, daß
deine Mutter Schwänze in der Hölle schleckt.
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