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Im Korallenriff
geschehen mitunter seltsame Dinge. Dieses und nur
wenig mehr dachte sich die kleine Grundel als sie
sich ihre Füße auf dem Teppichhai säuberte um auch
ja stubenrein in die Grundelhöhle zu kommen. Sie war
recht müde, denn ihre Arbeit als Securityofficer am
Höhleneingang war anstrengend und gleichzeitig sehr
langweilig. Ihr Freund der Knallkrebs machte im
Gegenzug wenigstens die Betten in der gemeinsamen
Unterkunft. Señor Knallkrebs war noch nicht zu
Hause, denn er war außer dem Bettenmacher auch ein
erfolgreicher Bauunternehmer und arbeitete
dementsprechend viel.
Der kleinen Grundel
war das jedoch gerade recht, denn abends schaute sie
immer Fussball - und das lieber alleine. Es ist eine
weit verbreitete, aber falsche Annahme daß die
Spiele der Champions League unter Wasser nicht
übertragen werden. Vor allem die Freunde des
technisch versierten Fussballspiels sind im Riff zu
finden und es ist kein Wunder, dass vor allem die
spanischen Vereine die meisten TV Gelder
einstreichen. Die kleine Grundeldame war großer Fan
von Deportivo und liebte vor allem Djalminha, deren
albernen Zauberer. Sie wohnte praktisch vor seiner
Haustür, in der Bucht von La Coruña und sie
verpasste kein einziges Spiel ihrer Mannschaft.
Natürlich war sie bisher noch nie im Stadion, dem
„Riazor“, gewesen, denn, blöde Frage, wie hätte sie
das bitteschön machen sollen, sie war doch eine
Grundel und lebte im Meer.
Heute abend ging für
sie ein besonderer Tag zu Ende. Denn Deportivo hatte
die Meisterschaft errungen und die Grundel war
grade, noch freudig erregt, von der großen
Meisterfeier auf dem Riffplatz nach Hause gekommen.
Überall im Riff waren Blau-Weisse Fahnen geschwenkt
und Lieder gesungen worden.
Und als sie so
sinnierte diverse Spielszenen vor ihrem inneren Auge
nochmal Paroli laufen ließ, erschien auf einmal ihr
Knallkrebs und rief fröhlich: „Schau mal was ich
gefunden habe!“ Und er gab ihr einen wundersamen
Ring, der golden glänzte und eine feine Inschrift
hatte. „Deportivo Campeon 2000“ stand dort
geschrieben. Die Grundel stutzte. Wie konnte das
sein? „Wo hast du den denn gefunden?“, fragte sie
leicht irritiert den Knallkrebs. „Nun“, sagte er,
„ich habe oben bei den Klippen gearbeitet, da fiel
er vor mir ins Wasser. Du weißt schon, draußen, bei
der kleinen Insel, ein paar hundert Meter vor dem
Festland. Warum?“ „Entschuldigung, ich muß gehen“,
sagte da die kleine Grundel und schwamm mit ihrer
zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von dannen.
„Hhp“. Das war alles
was der kleine Brasilianer zu sagen hatte. Er lag
quer über einem algigen Stein und blinzelte in die
Nacht. Wellen klatschten gegen seine Füsse und
Gischt peitschte ihm durchs Gesicht. Er versuchte
seine Gedanken zu ordnen. Was war passiert? Die
Meisterschaftsfeier, ein Boot, eine Flasche Estrella
Galicia... oder waren es zwölf? Djalma Feitosa Diaz
richtete sich auf und wischte sich zwei Algen aus
dem Gesicht. Sein Kopf schmerzte. Um ihn herum war
nur schwarzes, kaltes, tiefes Wasser. In der Ferne
sah er die Lichter einer Bucht, es war saukalt.
Ungefähr so lautete sein erster Schadensbericht.
„Ich muß beim Feiern
von Bord gefallen sein. Vielleicht habe ich auch
wieder gemeckert und der Trainer hat mich
geschubst...“ murmelte er. „Nein, obwohl, das war`s
wohl doch nicht.... Warum muß ich nur immer so über
die Stränge schlagen. Ich schlampiges Genie!“
Djalminha verfiel in tiefes Selbstmitleid und fuhr
fort damit, traurig auf dem kleinen, albernen Felsen
vor der Küste La Coruñas zu sitzen. Gerade noch
hatte er Deportivo zur ersten Meisterschaft der
Vereinsgeschichte geführt und schon hing sein Leben
an einem seidenen, hellblauen Faden.
Die kleine Deportivo
Grundel erreichte den Felsen bei dem der Knallkrebs
den Ring gefunden hatte in neuer Rekordzeit. Sie
streckte ihr kleines, aber feines, Grundelgesicht
aus dem Wasser und sah sich um. Auf einem Stein saß
ein Mann und trat gelangweilt mit dem rechten Fuß
gegen Muschelverwachsungen. „Hey du!“ rief die
Grundel. „Was machst du denn da?! Übst du Edgar
Davids treten?“ Der kleine Brasilianische
Fussballspieler schaute sich verdutzt um. „Hallo...?
Ist da jemand? Hilfe?“ sprach er fragend. „Hier
unten bin ich“ rief die kleine Fischfrau. „Hier im
Wasser, zu deinen Füssen!“
Djalminha überwand
seine erste Verunsicherung, legte sich auf den Bauch
und suchte die Wasseroberfläche ab. Da blickten ihn
doch tatsächlich zwei kleine Fischaugen an. „Ach
da!“ rief er verdutzt. „Bin ich total bescheuert
oder könnte es sein daß du eine sprechende Grundel
bist?“ „Wenn du wüßtest,“ sprach die kleine Dame da.
„Hier unten im Riff können wir alle sprechen! Und
sind Deportivo Fans! Ich weiß natürlich auch wer du
bist! Du bist „El Mago“, der Zauberer. Ich bin ein
großer Verehrer deiner Kunst!“ Und die Grundel
verneigte sich vor ihrem Idol soweit das eben geht
wenn man als Fisch nur knapp aus dem Wasser ragt.
Djalminha war mäßig
beeindruckt. „Na toll. Möchtest du ein Autogramm?“
murmelte er. Die Grundel aber hatte einen tollen
Plan. „Hör zu, wenn du hier bleibst frierst du dir
den Arsch ab. Wenn du möchtest kannst du heute abend
bei mir schlafen, ich koch dir auch was schönes.“
Und die kleine Fischfrau zog den brasilianischen
Fussballkünstler mit ihren winzigen Flossen unter
Wasser und nahm ihn mit zu sich nach Hause.
Der Knallkrebs hatte
schon vorgesorgt und die Wohnung etwas vergrößert so
daß sie alle darin Platz fanden. So saßen, ungefähr
7 Stunden nach der offiziellen Meisterfeier, eine
kleine Grundel, ein ebenso kleiner Knallkrebs und
Djalminha um einen Muscheltisch in einer Höhle am
Riff vor La Coruña und aßen Miesmuscheln „a la
mariniere“ mit Garnelen. Danach gingen sie alle in
ihre Algenbetten und schliefen einen sehr
erholsamen, glücklichen Schlaf.
Am nächsten Morgen lud
die Grundel dann alle ihre Freunde ein und Djalminha
schrieb ganze zwei Stunden Autogramme! Danach
brachte ein freundlicher Silberspitzenriffhai, auch
ein großer Depor Fan, den kleinen Brasilianer zum
Strand zurück.
Djalminha aber vergaß
nie daß ihm eine kleine Grundel das Leben gerettet
hatte und sorgte von diesem Tag an dafür, dass die
Bewohner der Bucht von La Coruña alle zwei Wochen
ins Stadion gehen können. So kam es, dass seitdem
fast alle Riffbewohner Dauerkarten besitzen - und
man munkelt sogar, dass ein junger Hammerhai schon
mal zum Probetraining eingeladen wurde. Er soll
einen ziemlich harten Bums haben.
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