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Es gibt Leute, denen
geschehen immer wieder die seltsamsten Dinge, als
hätten sie einen geheimen Pakt mit dem Zufall
getroffen, oder einfach zu viel Phantasie. Vor
relativ langer Zeit gab es zum Beispiel mal einen
König und eine Königin, die meckerten jeden Tag und
immerzu „Verdammt noch mal wir wollen doch schon so
lange ein Kind, ein Kind das wäre so schön, kein
Rind, nein ein Kind!“ und so sprachen sie, machten
noch viel schlimmere Reime über die man bei Hofe
schon lange nicht mehr lachen konnte, aber ein Kind
kriegten sie trotzdem nicht. Nie.
Eines Tages, die
Königin lag draußen im Ententeich, in den sie
sternhagelvoll hinein gefallen war und blickte
benommen in die klare Sternennacht, da setzte sich
ein kleiner grüner Frosch neben sie und sprach: „Du
willst `ne Tochter, ne?“ „Ja....“ lallte da die
Königin. „Klappt aber nich...“ Der Frosch blickte
ihr lange und besinnlich in die Augen. Dann sagte er
laut und mit Nachdruck: „Schon mal mit Ficken
probiert?“ und hüpfte ohne weitere Worte und
Erklärungen davon. Die Königin war etwas irritiert
und vor den Kopf gestossen. Andererseits waren auch
in dem Königreich von dem wir hier sprechen,
sprechende Frösche, zumal obszön, bislang eigentlich
unbekannt gewesen. Vor allem am nächsten Morgen war
sich das mehr oder weniger holde Fräulein daher
sicher, das sie das mit dem Frosch nur geträumt
hatte. Indes – der Tipp war nicht schlecht. Und
einige Zeit später gebar die Königin ein schönes
kleines Mädchen.
Darüber war der König
ausgesprochen froh, außerdem hatte das Kind machen
auch durchaus sehr viel Spaß gemacht, also lud er
die schönsten Frauen des Landes ein, um eine große,
lustige Orgie zu feiern. Es gab deren dreizehn in
seinem Reiche, was nicht viel war, aber immerhin
mehr als bei uns oder bei dir. Leider war der König
etwas abergläubisch, daher sagte er der dreizehnten
Frau nicht rechtzeitig Bescheid damit sie nicht
plötzlich auf der Matte stünde und allen Unglück
brächte – außerdem war sie blond und rasierte sich
nicht unter den Armen, das mochte der König nicht.
Die dreizehnte blieb zu Hause.
Aber weil Tratsch Spaß
macht und auch sehr gut ist, bekam die ausgelassene
Frau schon bald Wind von ihrer Ausbootung. Und da
sie nicht nur häßlich war, sondern auch frech,
mißgünstig und eine böse Hexe, verhängte sie einen
unangenehmen Fluch über das neugeborene Kind, dessen
Namen sie nicht kannte. Warum auch immer. Wenn
schon, hätte sie mal besser den neu-brünstigen König
verflucht. So aber verfügte sie nach Artikel 69 des
Märchengrundgesetzes, dass das Mädchen im 15.
Lebensjahr von einer Amsel gerammt werden und von
diesem Schlag für 150.000 Jahre in ein schweres Koma
fallen sollte.
Der König reagierte
auf diesen einfallsreichen Fluch damit, das er alle
Amseln des Landes verhaften ließ und sie ins
Gefängnis sperrte. Diese drastische Maßnahme löste
in der Tierwelt Bedauern und Wut aus. Allerdings
denken Fauna, wie auch Flora, eher in langfristigen,
nachhaltigen Zeiträumen. So hielten sie zuerst
einmal still. Und die kleine Prinzessin, wegen der
dieses ganze Brimborium stattfand, wuchs und gedieh,
wurde immer schöner und größer und visierte langsam
aber sicher die Pubertät an.
Pünktlich zum 15.
Geburtstag der Prinzessin, schlug das Federvieh dann
doch zurück. Ein großer Schwarm allerlei Vögel fiel
in die Königsburg ein und rammte den Hofstaat
bewußtlos. Das heißt, der Fluch hatte sich
eigentlich nicht erfüllt, aber irgendwie schon, nur
besser. Und weil auch der Gärtner im Koma lag, wuchs
die Dornenhecke welche die Burg umgab ganz schnell
ganz hoch und keiner kam mehr rein oder raus. Aber
drinnen waren ja eh alle am schlafen.
Viele junge Männer,
Diebe und habgierige Frauen versuchten in den
nächsten Jahrzehnten die Dornenhecke zu überwinden
um an die dahinter vermuteten Schätze zu gelangen.
Aber ein jeder der sich an den Dornen stach sagte
„Aua...“ und ging alsbald weinend nach Hause. Und
irgendwann, nach vielen, vielen Jahren ward die
Königstochter und ihr Hofstaat einfach vergessen.
Und noch später, so nach 10.000 Jahren, starb die
Menschheit aus und Roboter beherrschten die Erde für
eine lange Zeit. Als deren Batterien alle waren,
machten es sich die Tiere zu Wasser und zu Lande und
in der Luft, endlich bequem auf unserem Planeten und
hatten viel Spaß. Aber irgendwann wanderten auch sie
aus zu fernen Sternen und die Erde lag brach und war
karg und leer. So war sie noch mal 50.000 Jahre
lang. Nur die Dornenhecke stand weiter als sei
nichts gewesen, und verbarg ihr lustiges Geheimnis
mit Bravour.
Nun begab es sich, das
just zu der Zeit, da sich die 150.000 Jahre des
lieben Dornröschenschlafs dem Ende neigten, ein
Gruppe non-corporaler außerirdischer Wissenschaftler
auf der Erde landeten und die Dornenhecke
untersuchten. Und als sie grade im Begriff waren
sich zu stechen, nahm der Fluch ein Ende und die
Dornen wurden zu wunderschönen, bunten Blumen und
taten sich von selbst auseinander. Und darauf
erwachte das ganze Schloß und alle gingen ihrer
Arbeit nach, schmiedeten, kochten, putzten und
hämmerten das es eine Freude war. Die Aliens sahen
sich das Treiben sehr interessiert an, nahmen hier
und da ein paar Proben und gelangten schließlich in
den Turm, in dem das schöne Dornröschen lag. Und
nicht nur weil ihnen die Prinzessin sehr gut gefiel,
nein, auch einfach nur so, nahmen sie das Schloß und
den gesamten Hofstaat mit, und stellten ihn daheim
auf Alpha-Epsilon 3 in ein Museum.
Die gefangene Amsel
aber, die befreiten sie und gaben ihr das schönste
Hotelzimmer in der Stadt und behandelten sie wie
eine wahre Königin. Und so saß sie abends auf dem
Balkongeländer, sah den 4 Sonnen von Epsilon beim
Untergang zu, nippte an ihrem Cocktail und kicherte
ein fröhliches Amselkichern.
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