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Ein Mammut für Kyra,
wie soll das denn gehen? Sie sind doch längst
ausgestorben, diese großen haarigen Dinger, also
woher nehmen wenn nicht stehlen? Das sind nur einige
der Fragen die einem unweigerlich in den Sinn kommen
wenn man die komische Überschrift dieses
Tatsachenberichts liest. Aber, wie immer, gibt es
auch auf diese tollen Geheimnisse eine verblüffend
einfache Antwort. Fangen wir jedoch ganz am Anfang
dieser Geschichte an. Also: Kyra wünscht sich ein
Mammut.
Eines schönes
Montagmorgens lag die kleine Kyra, wie immer um
diese Zeit, im grünen Gras unter ihrem
Lieblingsginko. Da rumorte es plötzlich ganz
schrecklich in ihrem Innern. „Hoppla“, dachte da das
Mädchen. „Was für ein seltsamer Ton“. Und aus ihren
seelischen Abgründen, die zwar tief aber dennoch von
einer durchaus leuchtenden, anziehenden Wärme waren,
drang ein verzweifelter Wunsch. Mit einem Riesen
Bums fiel er in ihren Kopf. Kyra sprang auf und
brüllte so laut sie konnte: „Ich will endlich ein
Mammut!!!! Und zwar ganz für mich allein!!!“. Nach
diesem für Aussenstehende doch sehr seltsam
anmutenden Ausbruch des kleinen, hübschen Mädchens
von nebenan, trat eine kurze peinlich Stille ein.
Kyra hüpfte von einem Fuß auf den anderen um ihrer
Verlegenheit auch körperlich angemessenen Ausdruck
zu verleihen. Aber der Ginkobaum hatte sowieso
weggesehen und das Gras hatte keine Ohren,
geschweige denn Augen. Kyra legte sich schließlich
wieder hin und schaute in den blauen Himmel.
Ungefähr in diesem
Moment raschelte es im Gebüsch und ein ziemlich
großer, grauer Vogel spazierte auf das kleine
Mädchen zu. „Ach Kind, schrei doch nicht so. Jetzt
hast du mich geweckt und mir ist langweilig.“ Kyra
war merklich verwundert. „Wer bist du?“ fragte sie
den komischen Vogel. „Ich bin ein Rabe, Kyra. Und
ich bin nur vorbeigekommen um dir eine Geschichte zu
erzählen. Willst du sie hören?“ Kyra mußte lachen.
„Hihi. Du ein Rabe? Ne, das stimmt nicht. Raben sind
viel größer und außerdem schwarz. Du bist klein und
grau.“ Der graue Rabe seufzte. „Fasel, fasel. Jaja,
klein. Toll. Na und? Und grau bin ich, weil ich
schon ein alter Rabe bin, ein sehr alter. Ich bin
nämlich schon 14.000 Jahre alt.“ Kyra schaute
verdutzt. Und sie setzte sich auf, lehnte sich an
ihren Lieblingsbaum und versprach dem alten Raben
genau zuzuhören bei seiner Geschichte.
Der kleine Vogel
setzte sich auf ihre Schulter, nachdem er
versprochen hatte ihr nicht in den Ausschnitt zu
gucken, und steckte ihr seinen Schnabel ins Ohr.
„Als ich noch ganz jung war,“ sprach er, „da hatte
ich einen tollen Freund. Wir haben immer alles
zusammen gemacht, sind auf Gletschern Schlitten
gefahren und haben Urlaub in der Karibik gemacht.
Sogar das Fussballspielen haben wir erfunden und die
Höhlenmalerei. Das war vor 13.000 Jahren, bis es
plötzlich arschkalt wurde und wir immer häufiger den
Winter auf den Malediven verbringen mußten. Das ging
ganz schön ins Geld und drückte die Stimmung. Aber
wir beide wußten uns zu helfen ich schlief bei ihm
im Fell, dafür holte ich morgens die Zeitung und
vegetarische Brötchen. Davon abgesehen wurde es aber
immer kälter und eines Tages beschlossen die
Artgenossen meines tollen Freundes sich einer Gruppe
von Delphinen anzuschließen die sich einen neuen
Planeten suchen wollten, wegen dem Fisch und dem
Wetter. Aber mein Freund wollte so gerne hier
bleiben, bei mir. Also habe ich ihm geholfen sich zu
verstecken. Leider ist er so groß und nachdem seine
Eltern ihn nun langsam nicht mehr suchen, machen
andere Jagd auf ihn. Wo ich den schon überall
versteckt habe! In Eiswürfeln, In Höhlen, in
Büchern. Aber jetzt bin ich langsam zu alt für diese
Albernheiten. Also wohnen wir jetzt ganz hier in der
Nähe, in einem See. Solle ich ihn dir mal zeigen?“
Kyra hatte gebannt zugehört und nickte schnell als
der Rabe sie fragte. „Ja, laß uns zu euch gehen. Da
bin ich ja mal gespannt!“
Und die beiden, der
kleine, alte Rabe und das hübsche, kleine Mädchen
gingen, Flügel in Hand, über die Wiese zu einem
kleinen See der in der Nähe lag. Dort angekommen
flog der Vogel zu einem kleinen Ast der in der Mitte
des Sees herausragte und hüpfte darauf herum. Kyra
wirkte etwas irritiert. „Hey, Rabe! Was machst du
denn da? Warum springst du denn da so albern herum?
Wo wohnt ihr denn jetzt?“ Der Rabe aber sprang
weiter blöd auf dem Ast herum. Plötzlich bewegte
sich der komische Ast und ein riesiges Ungetüm
tauchte langsam aus dem Wasser auf. Und dann öffnete
es den Mund und nieste gaaanz laut:
„HAAATSCHIIIII!!!“. Und dann rief es „Du sollst mich
doch nicht immer so kitzeln kleiner Rabenfreund!“
Und: „Oh!“ als es Kyra erblickte, die am Ufer stand
wie bestellt und nicht abgeholt. „Wer bist du denn
kleines schönes Fräulein? Kommst du uns besuchen?“.
Und Kyra bekam Tränen in den Augen, denn sie
erkannte das komsiche Ungetüm jetzt. Es war ein
Mammut, ein echtes, und es war ganz nett und weich
und kuschelig. „Hallo liebes Mammut. Es tut mir so
leid das du dich immer so verstecken mußt, und das
deine ganzen Freunde nach Alpha Centauri
ausgewandert sind. Komm, ich nehm dich mal in den
Arm.“ Und Kyra versuchte das Mammut zu umarmen. Das
war natürlich mal schlichtweg unmöglich, denn es war
riesengroß, und obwohl Kyra gar nicht so klein ist
wie ich immer behaupte, war sie doch viel kleiner
als das fellige Urtier. Deshlab umarmte sie
letztlich einfach den Rüssel. Und der kleine Rabe
setzte sich auf ihre Schulter und sprach: „Kleines
Mädchen, ich schenk dir mein Mammut. Aber du mußt
gut für es sorgen, ihm immer was zu essen geben und
ihm abends Geschichten vorlesen und es genügend
streicheln. Außerdem sieht es unheimlich gern
Science Fiction Filme, wegen seiner Verwandten.
Machst du das?“ Und Kyra wurde ganz glücklich und
sagte ja. Der Rabe verabschiedete sich danach von
seinem besten Freund und flog in die Abendsonne, zum
Rabenhimmel. Kyra und das Mammut aber gingen nach
Hause und tranken erst mal eine Flasche Cola Light
während des Abendessens. Denn das Mammut wollte
abnehmen damit es bei Kyra im Zimmer wohnen durfte.
Jetzt waren die beiden also die tollsten Freunde und
guckten Fernsehen, oder lasen sich Geschichten vor,
oder gingen ins Kino, oder ins Cafe.
So. Ihr seht also, es
war gar nicht so schwer ein Mammut für Kyra zu
besorgen. Man mußte nur wissen, daß sie eigentlich
überhaupt nicht ausgestorben sind und man mußte
einen Raben kennen der noch eins über hatte. Und von
Stehlen kann ja auch keine Rede sein. Inzwischen
wohnt das Mammut übrigens bei Kyra halb im Garten
und halb bei ihr im Zimmer, denn das war die
einfachste Lösung. Und selbstverständlich passt das
kleine, schöne Mädchen immer ganz gut auf ihr
privates Mammut auf, damit es keiner klaut. Nächstes
Jahr wollen sie sogar in den Urlaub nach Alpha
Centauri fahren. Das Mammut hat da nämlich einen
Freund, einen Delphin, der... aber das ist eine
andere Geschichte.
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