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Die kleine Inken hatte
gerne Ferien, denn in ihrer Heimat regnete es jeden
Tag, von morgens bis zum nächsten Morgen und der
Himmel war immer grau. Da waren Ferien und Urlaub in
der Sonne natürlich eine angenehme Abwechslung.
Inken mochte Urlaub wegen der Sonne und dem Meer,
aber ihre Eltern nahmen stets die schlechte Laune
mit auf Reisen und die kleine Frau wünschte sich so
sehr das sie den Ärger einfach mal vergessen würden,
so wie die Zahnbürste oder das Nagelset. Aber die
Streitereien blieben. Auch dieses Jahr stand der
Urlaub unter keinem guten Stern, denn Inkens Papa
hatte die ganze Woche gesoffen und Mutter war
dementsprechend angesäuert. Die ganze Hinfahrt
sprachen sie kein einziges Wort miteinander und
Inken spielte 78 Stunden „ich sehe was, was du nicht
siehst“ mit sich selbst. Aber nach diesen 78 Stunden
sah sie plötzlich zum ersten Mal in diesem Jahr das
Mittelmeer und irgendetwas war anders. Es schien als
würde die Pfütze ein Geheimnis mit Inken teilen
wollen und ihr zuzwinkern. Für kurze Zeit glaubte
sie sogar eine schmale dunkle Flosse gesehen zu
haben, aber warscheinlich war das nur ein Fehler im
Wasser.
So saß Inken später
mit ihren Eltern in einer Bar und sah zu, wie ihr
Vater wieder zu rauchen anfing. Unter dem roten
Fortuna Sonnenschirm rauchte er eben diese
Zigaretten , nicht ohne entschuldigend hinzuzufügen
"die schmecken immer so nach Kaffee...!" Von ihrem
Tisch aus konnte man das Meer sehen, eingerahmt von
extrem unattraktiven Hochhäusern die allerdings
erstaunlich wenig störten. Während Vater rauchte und
Mutter meckerte, sah die kleine Inken aufs Meer
hinaus. Und immer wieder war es ihr, als sähe sie
einen kleinen schwarzen Punkt am Horizont, der
auftauchte und plötzlich verschwand. Wie, wenn man
ständig das Gefühl hat, gerade außerhalb des
Augenwinkels huschte ab und zu eine Maus oder ein
Vogel vorbei, aber nie bekommt man die Auflösung
wenn man genauer schaut. Immer könnte es so gewesen
sein oder auch nicht. Vielleicht befinden sich
eigentlich laufend irgendwelche Tiere ein wenig
auerhalb meiner Wahrnehmung um mich zu verwirren,
vielleicht trinke ich morgens schon zuviel Alkohol.
Bei Inken viel
letzteres weg, denn sie war erst 14 und auch
Kaffeezigaretten lagen noch auerhald ihrer
Vorstellung. Auch deshalb blieb der schwarze Punkt
am Horizont unerforscht, in diesem Jahr. Inkens
Eltern stritten sich weiter und taten es auch im
nächsten und im übernächsten Jahr noch.
Und so saß Inken Jahre
später am Meer und war traurig und fast taub vom
Geschrei der Eltern. Sie war ein wenig die Küste
entlanggegangen und geklettert bis sie dieses
schöne, ruhige Plätzchen gefunden hatte. Das Meer
war ruhig und klar, die Sonne schien gerade noch und
die Felsen leuchteten rotgelb zwischen den
Wacholderbüschen. Ich glaube zumindestens daß es
Wacholder war. Aber die Felsen waren ziemlich sicher
rotbraun. Ein bißchen heller und jedenfalls mit grün
dazwischen. Trotzdem saß Inken auf eben diesem
Felsen und sah aufs Meer. Und da, da war es wieder -
irgendetwas war da draußen, sie hatte deutlich einen
schwarzen Punkt gesehen. Inken hielt sich für
bescheuert. "Hola....!" flüsterte plötzlich jemand
neben ihr und Inken erschrak fürchterlich:
"AAAAAHHHHHHHH!!!!!" schrie sie, denn links knapp
unter ihr auf dem Felsen saß ein ungefähr sechs
Meter langer weißer Hai und grinste sie schelmisch
an. "Hallo Inken, keine Angst", sprach der Hai, "ich
bin der Zauberhai und gekommen um dir wieder gute
Laune zu machen." Und der Hai nahm Inken bei der
Hand und sie hüpften ins Meer. Dort setzte sich
Inken auf den Zauberhai und zusammen schwammen sie
durch die Unterwasserweltgeschichte. Der Hai zeigte
Inken die schönsten Riffe, die unheimlichsten Wracks
und er erzählte ihr viele Geschichten die sie zum
Lachen brachten, so die vom Knallkrebs und der
Grundel, oder die vom grünen Hai. Inken war so
glücklich, weil es hier unten so bunt war und so
schön. Und weil der Zauberhai so groß und
furchterregend war, aber ihr Freund, brauchte sie
vor niemandem Angst zu haben. Als sie wieder am
Mittelmeerstrand angekommen waren küßte der
Zauberhai Inken auf beide Wangen und gab ihr zum
Abschied eine Spezialmuschel. "Wenn es dir schlecht
geht mut du nur einmal laut 'Hopp-Zauberhai!' rufen
und schon werde ich sehr souverän zu deiner Hilfe
eilen". Inken wischte sich eine Träne aus dem
rechten Auge und bedankte sich artig beim weißen
Hai. Dann ging sie nach Hause, die Muschel fest
umklammert. Dort angekommen traf sie Mutter und
Vater die gerade mit einem kleinen Schweinswal
Tennis spielten. Inken war sehr froh das sie sich im
Moment ncht stritten und schwamm in ihr sandiges
Bett.
Als Inken am nächsten
Morgen aufwachte war sie froh das sie zumindest die
letzten beiden Sätze nur geträumt hatte. Aber neben
ihrem Bett lag ein wunderschöne, große Muschel und
Inken bückte sich, nahm sie in die Hand und schaute
hinein. Die Sonne schien durchs Fenster und Inken
spürte ihre Wärme bis in den linken,kleinen
Zehennagel.
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