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Der Kolibri ist das
meistunterschätzte Tier in unserem Sonnensystem,
ungefähr. Wenige Menschen oder Lebewesen in seinem
Wirkungskreis wissen mehr über ihn als seine
Standardabmessungen, die da wären: klein, schnell,
Honig. Niemand (fast) weiß jedoch viel über seine
wahren Eigenschaften. denn der Kolibri würde seiner
Kindergartenfreundin niemals ins Poesiealbum
schreiben: "Hobbys: reiten, lesen, schwimmen." Seine
Vorliebe für klassische russische Literatur ist eben
so unbekannt wie die Tatsache, daß viele der
berühmtesten Tiefseebiologen Kolibris waren und
sind. Ähnlich den Dohlen (a.a.O.) sind sie jedoch am
Ball gänzlich untalentiert. Vor vielen, vielen,
langen Zeiten, oder vielleicht war es auch gestern
vormittag, machte sich ein kleiner (jaja) Kolibri
auf nach Feuerland wo die alljährlichen
Tanzweltmeisterschaften stattfanden. Der Kolibri war
ein begnadeter Tänzer und er war zuversichtlich den
Titel mit nach Hause zu nehmen. Auch wenn er bisher
verdrängt hatte daß der Pokal wahrscheinlich nicht
in seine Nisthöhle passte.
Der Kolibri hatte sich
zwei, drei Proviantblüten mitgebracht um bei Kräften
zu bleiben, denn seine finanziellen Möglichkeiten
waren begrenzt. So zog er, in Feuerland angekommen,
auch nur in ein kleines, aber feines Zimmer, legte
seine Tanzsachen nebens Kolibribett und gönnte sich
einen Schnabel Honig vor dem Schlafengehen.
Kolibriträume sind eine Sache für sich. Sie haben
die Eigenschaft immer genau das vorwegzunehmen was
am nächsten Tag passieren wird. Deshalb lasse ich
den Traum weg und erzähle einfach was wirklich
geschah.
Am nächsten Morgen
wurden die Wettkampfteilnehmer erstmal von den
Juroren inspiziert. Alle Spezies wurden nämlich vor
dem Tanzen auf ihren Prozentgehalt überprüft und da
der Kolibri selten, detailverliebt und perfekt war,
hatte er den 1. Platz in dieser Wertung abonniert.
So fiel er auch nicht vom Hocker als die
Lautsprecherstimme bekannte gab, "Kolibri, 99.4%
Kolibrigehalt, damit geteilter 1. Platz..." und da
ereilte den kleinen Vogel plötzlich eine halbseitige
Gesichtslähmung, "... zusammen mit dem Katjakind,
99.4 % Katjagehalt." Der Schnabel fiel dem Kolibri
aus dem Cocktailglas. Hektisch versuchte er unter
den Teilnehmern seine große Rivalin zu erspähen,
aber da wurde er auch schon ohnmächtig.
"Hallo... Herr Kolibri
- sie sind dran." Der Kolibri kam nur langsam zu
sich, setzte seine Schnabel auf, streifte seinen
Tanzkampfanzug an, sprang auf die Fläche und wollte
Gas geben. Und dann sah er seine Gegnerin - Das
Katjakind stand schnaubend in der anderen Ecke und
schüttelte den perfekten Körper. Der Kolibri fragte
sich ob Katja nicht vielleicht doch neuer Rekord
war. Er konnte keine Konstruktionsfehler an ihr
entdecken, und ihre Beine, Brüste, Haare und Arme,
sowie Nase und Hintern waren mal eben ganz sicher
100 %. Der Kolibri war geblendet. Aber als der Gong
ertönte, war er nur noch Bewegung. Die beiden
hübschen tanzten wie bescheuert. Und in dem Moment,
da die ersten Fliesen anfingen zu brennen, nahm der
Kolibri die kleine Katja auf die Schultern und sie
flogen zusammen wieder gen Norden. Feuerland indes -
naja, wie der Name schon sagt, brannte recht stark
ab.
Katja und der Kolibri
saßen zu der Zeit schon gemütlich am Aasee und
tranken heiße Milch mit Honig. Und beide machten
sich Komplimente und Katja schenkte dem Kolibri
sogar ein Schränkchen für den Pokal. Denn den wollte
die kleine Frau nicht haben - sie hatte ja schon den
100 % Preis vom Chef. Der Kolibri freute sich über
das souveräne Möbelstück und den Pokal und beide
freuten sich daß sie so tolle Freunde geworden
waren.
Und seitdem besucht
der kleine, tropische Vogel regelmäßig seine kleine
Menschenfreundin in Münster. Dann gehen beide
tanzen, die ganze Nacht, und den ganzen nächsten Tag
- das ist schön für das Stadtbild aber eher schlecht
wegen der globalen Klimaveränderungen. Immerhin
gibts jetzt Kolibris in Westfalen.
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