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Eines Tages fand der
kleine Roland auf seinem Nachhauseweg einen
schmalen, leichten Elefanten. Er saß, einfach so,
neben der Strasse in einem lila Pappkarton herum und
sah ihn erwartungsvoll an, ein leises, fröhliches
Lied trötend. Roland, noch ganz müde von zu viel
Mathematikunterricht, nahm den Elefanten auf seine
Hand und streichelte ihm ein bißchen über den Kopf,
wobei das erstaunlich leichte Tier breit zu grinsen
begann. „Wer hat dich denn ausgesetzt, du kleiner
Elefant?“, fragte Roland ihn, während sein kleiner
Freund es sich auf seiner Hand gemütlich machte.
„Tröööt!“ machte der Elefant. Nun, Roland beschloß
den kleinen, vom Aussterben bedrohten Elefanten mit
zu sich nach Hause zu nehmen. Als er, das kleine
Tier immer noch auf der Handfläche, in den Flur
trat, hörte er seine Mutter in Küche herumhantieren.
„Mama!“ rief der kleine Roland, „Ich habe auf dem
Nachhauseweg einen kleinen Elefanten gefunden, darf
ich den behalten?“. Roland nahm ihr Schweigen als
Zustimmung hin und ging auf sein Zimmer, wo er dem
rüsseligen Freund erstmal eine tolle Schlafschachtel
zeigte. Roland hatte nämlich noch einen alten
Schuhkarton übrig, der war blau-weiß gestreift und
sah sehr gemütlich aus. Auch der kleine Elefant
trötete ein zufriedenes Geräusch und legte sich
sofort ein wenig schlafen, müde von der für ihn
anstrengenden und aufregenden Wohnungssuche. Roland
aber machte brav seine Hausaufgaben und ging danach
noch schnell in die Stadt um Elefantenfutter zu
erwerben. Der nette Mann in der Zoohandlung hatte
ihm eine genaue Liste gemacht, mit Sachen die
Elefanten täglich so zu sich nehmen. Da der
Hauselefant aber ja sehr klein war, kaufte Roland
statt 20kg Ernüssen nur zwei und statt 120
Toastbroten nur eins. Als der stolze kleine Junge
jedoch nach Hause kam, mußte er feststellen, dass
sein Tier inzwischen ein wenig gewachsen war. Der
kleine Elefant saß nicht mehr in seinem Pappkarton,
sondern lag in der Badewanne und übte verschiedene
Fontänen mit seinem Rüssel. Von jetzt an hatte
Roland natürlich erhebliche Schwierigkeiten den
Elefant zu verstecken. Die paar Erdnüsse und die
Brote nahm sein neuer Freund beinahe in einem
Atemzug zu sich und der sich trotzdem anschliessende
Nahrungsmangel hatte unangenehme Folgen. Denn der
kleine Elefant konnte erstaunliche Sachen essen.
Erst verspeiste er sämtliche Cornflakes Packungen
des Hauses, dann knabberte er an der
Wohnzimmergarnitur und dem Duschvorhang, danach war
des Nachbarn grasgrüner Lattenzaun dran und zuletzt
aß er sogar mit einem riesigen Bissen dessen Garage.
Danach war der Elefant selbstredend alles andere als
klein. Mit Ende des Tages maß er stolze 4 Meter in
der Höhe, 6 Meter in der Länge und hatte zwei
gewaltige, schneeweiße Elfenbeistoßzähne.
So stand er also
abends unter der großen Buche in Rolands Garten und
schaute den kleinen Mann zufrieden an. Der wußte
ehrlich gesagt nicht mehr was er machen sollte.
Einen kleinen Elefanten, der in einem Schuhkarton
schläft, ja, den kann man bei sich im Zimmer halten,
aber ein so großes Tier, welches gerade mal in den
Garten passt, nein, wie sollte das funktionieren.
Roland seufzte, setzte
sich neben seinen Elefanten und sah in den
Sonnenuntergang. „Menno, kleiner Elefant. Was sollen
wir denn jetzt machen?“ Die beiden verständigten
sich inzwischen, wie für Elefanten jeder Größe
üblich, durch Intraschall zwischen 14 und 24 Hz,
denn Roland war sehr lernfähig. Der Elefant blickte
Roland an und hielt ihm seinen Rüssel hin. „Halt
dich da mal fest“, trötete er, „ich habe eine Idee“.
Und er nahm Roland auf seinen Rücken und trottete
aus dem Garten, die Strasse entlang, aus der kleinen
Stadt, durch den Wald und Richtung Meer. Dort baute
der Elefant dem kleinen Jungen ein prächtiges
Strandhaus mit einem Riesenelefantenanbau für seine
eigenen vielfältigen Quadratmeter, und bemalte alles
wie selbstverständlich Lila. Von da an saßen die
zwei Freunde meist vor ihrem Haus und erzählten sich
Geschichten oder brachten sich tolle Sachen bei. So
zeigte der Elefant Roland zum Beispiel einen Trick
wie man sich hundert Jahre an etwas erinnern kann.
Der Elefant aber lernte Schachspielen, Tore
schiessen und lesen.
In der kleinen
Strandbude leben sie übrigens noch heute. Und wenn
sie Hunger haben, geht Roland in das kleine Dorf und
kauft Cornflakes, oder der Elefant geht fischen.
Später dann, abends, bevor die Sonne sich im Meer
schlafen legt, spielen die beiden Verstecken. Roland
tut dann jedes Mal erst so, als würde er den
Elefanten nicht sehen damit er nicht zu traurig über
seine unglaublich schlechten Versteckideen ist.
Meist verbirgt er sich nämlich hinter dem einzigen
verdorrten Ast der auf dem großen Strand herumliegt.
Wenn Roland ihn dann dahinter hervorzerrt, lachen
die zwei ganz viel und rennen in ihre Betten.
„Schlaf gut kleiner Elefant“, sagt Roland dann immer
leise und beide träumen von einer Welt, in der ihre
Geschichte nicht unmöglich ist.
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