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Einst lebte im fernen
Italien ein kleiner Mull namens Fritz. Seine Art war
selten und häßlich, was Verwandte und Freunde sehr
selten machte, und so war er einsam und langweilte
sich. Nachts lag er unten in seinem Bau, las,
schaute fern und tagsüber machte er sich an der
Oberfläche zum Gespött. Nur Kleinstlebewesen gaben
sich überhaupt mit ihm ab, oder erlaubten ihm sie zu
essen und mit der Zeit stellte er längere
Spaziergänge ganz ein weil alle anderen Tiere ihn
ärgerten. Außer am Samstag, da lief er immer
heimlich zum See, versteckte sich unter zwei
Blättern und wartete. Denn Fritz hatte sich
verliebt. Jeden Samstag kam er hierher um eine junge
Nachtigall zu beobachten die nur einmal in der Woche
zu baden schien. Fritz, der nackte Mull, war ein
Perverser, ein Voyeur, wie du und ich. Gut, ich
meine, Fritz wohnte in Italien, das ist zwar nicht
Belgien, aber immerhin. Jedenfalls, Schweinereien
hin oder her, auch an diesem einen bestimmten
Samstag steckte der kleine Mull voller Erwartung
unter seinen Blättern und wartete auf seine
Nachtigallanimationen. Er wartete und wartete...
aber seine Angebetete kam nicht. Erst als es langsam
dämmerte und Fritz noch weniger sehen konnte als
aufgrund seiner Blindheit sowieso schon, wollte er
sich enttäuscht auf den Heimweg machen – doch da
hörte er ein leises Rascheln. Es hörte sich gar so
an, als würde ein kleines Nachtigallmädchen durch
das Herbstlaub humpeln. „Hallo...?“ rief Fritz
leise... „Hallo, kleine Nachtigall, bist du`s...?
Das Rascheln erstarb. Jemand räusperte sich.
„Hhhhhlllllll.....Chhhhrchhh....Hhhhhllllll....“.
Fritz verstand nicht. „Könntest du dich bitte
nochmal wiederholen“, fragte er freundlich und
strengte seine Ohren sehr an.
„Chhhrhchch...Hhllhhlllhhllhlhllhllll. Hhlll?!
Chhrrr...HLLLLL!!!“ Inzwischen war Fritz sich sicher
das er mit seiner Lieblingsnachtigall sprach, aber
so sehr er sich auch bemühte, diese erste
Kommunikation war ein schreckliches Debakel. Zum
Glück fiel die Nachtigall bald darauf in tiefe
Ohnmacht und der kleine Mull nahm, nach einem
kleinen Berühr-Test – er wollte sich schließlich
keine haarige Maus oder irgendein Huhn in den Bau
zerren – den Vogel auf die nur rudimentär
vorhandenen Schultern und ging in sein Heim um ihn
zu hegen und zu pflegen.
Jedoch so sehr sich
der liebe Mull auch mühte und kümmerte, es wollte
der Nachtigall nicht so recht besser gehen. Sie
schlief fast die ganze Zeit, und wenn nicht, dann
schaute sie sehr traurig in die Gegend drein. Der
nackte Mull brachte ihr schöne weiche Würmer und
leckere Fruchtfliegen mit Apfelgeschmack, flösste
ihr warmes Tümpelwasser ein oder auch mal einen
Amselkorn.
Die Nachtigall schien
einen Flügelschaden zu haben und litt wohl unter
einem schweren Vögelschock. Aber vor allem schien
sie ihre Sprache verloren zu haben. außer
verschiedenen „Hlls“ und Chhrhs“ brachte sie nichts
hervor. Entmutigen taten den tapferen Fritz all
diese Dinge nicht – denn immerhin lag in seinem
großen weissen Mullbindenbett seine große Liebe,
seine Angebetete Nachtigall. Fritz würde sie wieder
gesund machen, das wußte er, und dann würde er mal
nachfragen, was denn eigentlich passiert sei. Er
schwor, wenn es einen Jemand gäbe, der ihr das
angetan hatte, dann würde er kräftig Arschtritte
verteilen, mit kleinen hässlichen Albinomullfüssen
immer hinterher und „Bums“!
Eines Tages, der
kleine Mull war gerade dabei die Erdikeamöbel
nachtigallengerecht umzuräumen, gab es ein
grandioses Erdbeben. Fritz machte schnell zu den
Erschütterungen passende Musik an und tanzte seiner
Nachtigall etwas gegen die Erdbebenangst vor.
Relativ schnell ging ihm jedoch die begrenzte Puste
aus und er beschloß sich aus dem Bau zu wagen um
sich das Beben genauer anzuschauen. An der
Oberfläche ergab sich dem kleinen Fritz ein etwas
irritierender Anblick. Ein großes, glattes Wesen mit
lockigem Haar hüpfte im Laub herum, sang und löste
Erdbeben aus, im engeren Mullsinne. Der nackte Mull
zog das ein, was man gemeinhin vielleicht einen Kopf
genannt hätte und nahm seinen gewohnten
spannerischen Beobachtungsposten ein. Das Wesen
hüpfte weiter herum, hatte Stöpsel in den Ohren, die
Augen geschlossen, ein Käbelchen hier und da und vor
allem ein schwarzes Kleid das Fritz nicht nur
praktisch aus dem Häuschen sein ließ. Das Beben
dauerte an, des Mulls Höhle bröckelte und so kam es
wie es kommen mußte: der Träger riss.
Splitterfasernackt stand das Erdbebenmädchen
plötzlich im sommerlichen Herbstlaub und schaute
nicht so überrascht wie man es vielleicht hätte
erwarten können. Das schwarze Kleid, welches Fritz
so mochte, lag auf dem Waldboden und der Mull
überlegte nicht lang – „Hopp!“ war er aus der Höhle
raus, sprintete zwei Meter und krallte sich in das
Kleid. Angestrengt versuchte er es wegzuziehen, aber
es war ziemlich schwer. Riechen tat es jedoch gut.
„Wird es meiner Nachtigall wohl passen, das Kleid?“,
dachte Fritz während ihm der Schweiss auf der Stirn
stand vor lauter Ziehen, „wird es ihr wohl
gefallen...?“ So in Gedanken versunken, war es ihm
nur leider nicht aufgefallen, dass sich das große
Wesen inzwischen zu herunter gebeugt hatte und ihn
mit großen Augen ansah. „Na sieh mal an“, sagte es
zu dem verdutzten Nacktmull, „was machst du denn da
und wie heißt du überhaupt und vor allem: du glaubst
doch nicht das dir mein Kleid tatsächlich irgendwie
weiterhilft?“. Fritz erstarrte. „Nun... Ähhh...“
stammelte er, „Ich... Ähhh.... Hmmm.... ich dachte,
ich schenke es vielleicht meiner Freundin. Oder so?
Vielleicht? Du siehst doch ohne eh besser aus, ich
meine, schau mich an, bin ich nackt oder was? Ich
bin Fritz. Tschüss!“ sprach er noch und versuchte
hektisch zu gehen. „Hey, warte mal! Du brauchst
keine Angst zu haben, ich bins doch nur, die Ann!
Erzähl doch mal – wer ist denn deine Freundin? Stell
mich doch mal vor!“ rief da die nackte Dame und
Fritz hielt inne. „Ich...ich kann nicht,“ sagte der
kleine Mull da traurig, „sie ist ganz krank und kann
sich nicht bewegen. Ich glaube sie hat den Flügel
kaputt und sprechen kann sie auch nicht mehr.“ Ann,
das lockige, glatte, große Wesen legte die Musik
beiseite und sah dem blinden Nacktmull-Sack
ernsthaft in die Augen. Währenddessen begann sie
vorsichtig im Boden zu wühlen, fand die Mullwohnung,
nahm die Nachtigallfrau in beide Hände, stellte sich
kurz vor und schaute ihr in den Schnabel. Dann
schaute sie noch ernsthafter und sagte...: „Fritz –
deine Nachtigallfreundin hat keine Zunge mehr.
Jemand hat sie ihr geklaut! Ihr Flügel ist aber
wieder in Ordnung, glaube ich.“
Fritz war wie
versteinert. Seine Rache würde fürchterlich sein.
Der Nachtigall lief eine kleine, feine Träne die
Nachtigallenwange herunter. Und dann sprach er mit
leiser, aber fester Stimme: „Wir werden dich rächen,
Freundin Nachtigall, und zwar mit allen Schikanen.
Nicht wahr Ann?“. Die Ann sah den Mull ann und
wunderte sich kurz. Dann aber hielt sie diesen Plan
für eine lohnenswerte Nachmittagsaktivität und sagte
wie selbstverständlich: „Ja, sicher. Wann und gegen
wen?“ „Hm, gegen wen...?!? Wer war es denn wohl?
Hast du eine Ahnung Nachtigall? Ann?“ „Hhhllll....“
sagte die Nachtigall und Ann aber sprach, „Nun ja,
also Nachtigallzungen werden gerne mal vom Italiener
geklaut. Es dürfte schwierig sein einen heraus zu
picken.“ Für den kleinen Mull kein Problem: „Prima.
Dann also die Italiener. Italien. Lassen wir es
brennen!“ „Also, ganz Italien... da hole ich lieber
noch meine virtuellen Freundinnen dazu“, sagte da
die Ann und rief schnell ihre Freundinnen Ann und
Ann ann. Und dann machten sich die drei bzw. fünf
auf den Weg, die Welt zu einem schöneren Ort zu
machen.
Einen lustigen Krieg
vom Zaun zu brechen – nichts leichter als das! Gut,
manchem fällt es schwerer als anderen, aber einen
kleinen, feinen, kriegt noch jeder hin. Ein guter
Anfang ist ein Genozid. Darauf nicht zu reagieren
bringt kaum jemand übers Herz. In weiten Teilen der
Tierwelt freut man sich schon lange auf dieses
Rückspiel. Die Italiener verprügeln also Singvögel.
Das ist doch mal ein Anfang, denn so geht es ja
letztlich nicht. Natürlich fallen einem abgesehen
davon spontan neben dem AC Mailand, Haargel und
Albanien ungefähr 1000 weitere Gründe ein in Italien
einzumarschieren, aber wenn es dieser sein sollte –
bitte. Auf jeden Fall war es eine tolle Idee. Diese
in die Tat umzusetzen fiel den Freunden nicht schwer
– den Tieren reichten ein paar Anrufe um die
amüsantesten Toxine der Flora und Fauna dem
allgemeinen Italiener weitestgehend nahezubringen.
Von einem kleinen Haus in der Toskana aus, zwischen
dem AC Florenz und Pisa, organisierten sie den
Vertrieb, nahmen Bestellungen entgegen und
verbrauchten Postboten. Die paar übriggebliebenen
Südländer wurden von den virtuellen Anns durch
gefälschte Telefonabrechnungen, die verschiedene
Anrufe bei 0190-SPACCAMI-IL-CULO auswiesen, in den
wohlverdienten Selbstmord getrieben. Und nachdem die
fünf Genozid-Spezialisten das Land bereinigt hatten,
drehten sie es nochmal kräftig um, schüttelten es
und pflanzten 700.000 behindertengerechte Gebüsche
für zungenamputierte Amseln und andere Singvögel.
Fritz hatte seine Nachtigallenfreundin noch zum
Abschied küssen wollen, war ob seiner Blindheit
dabei aber so frivol vorgegangen, das alle verschämt
weggucken mußten. Das machte ihn traurig, denn er
merkte umso mehr das er wieder allein war, und
nackt, und hässlich. Ann war auch noch da, nackt,
aber nicht hässlich. Andererseits war es ja nicht so
gewesen, das beim Italien-vernichten nichts für sie
herausgesprungen wäre. „Ich finde liebe Ann, auch um
von meinem Elend abzulenken, wenn man ungefähr ein
halbes dutzend italienische Modeschöpfer ausgeraubt
hat, sollte man sich auch wieder anziehen können“,
fand Fritz und obwohl allen Anns Anblick durchaus
gefiel, mußten sie dem kleinen, traurigen Mull
zustimmen. „Na gut, wenns denn sein muß“, seufzte
sie und fand ein schickes Prada Kleid, dessen Träger
nie mehr reissen sollten - außer man wollte es sehr,
sehr dringend. Und während alle Ann annsahen und ihr
tolles Kleid, rief plötzlich jemand aus den hinteren
Reihen „Fritz! Fritz! Bist dus? Kannst du mich
sehen!?!“. Der kleine Nacktmull schrak auf. „Nein.
Kann ich nicht! Und du!?“ „Ich kann dich auch nicht
sehen! Ach ist das schön!“. Und Fritz erkannte
seinen allerbesten Freund Horst nicht wieder und
rief erfreut, „Ach, Horst! Du bist es! Ist das schön
dich nicht zu sehen!“. Na, da waren alle vielleicht
glücklich. Denn sie hatten schon gedacht, der kleine
hässliche Mull würde ihnen das Happy-End versauen.
Aber so verabschiedeten sie sich alle in bester
Laune: Ann nahm ihre vollen Taschen und virtuellen
Freundinnen ann die Hand, die Nachtigall hatte mit
ihren behinderten Freundinnen ein eigenes Reich, und
Fritz war nicht mehr alleine. Und zu allem albernen
Überfluss nahm Frigitte, die übergewichtige
Filzlaus, beinahe 35 Kilo ab um eines der
gefragtesten Top-Models der neuen Zeit zu werden.
Das und alles andere behauptet jedenfalls die Ann.
Welche, habe ich aber vergessen.
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